Teilhabe stärken - Wir sind zusammen mutig!
Das Projekt „Teilhabe stärken – Wir sind zusammen mutig!“ verfolgt das Ziel, Partizipationsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen zu stärken und die Bewusstseinsbildung hin zu Inklusion, Teilhabe und Partizipation zu fördern.
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Über das Projekt

Das durch Aktion Mensch und der Diakonie Hessen geförderte Projekt wird seit 2022 in drei unserer Mitgliedseinrichtungen – die Regionale Diakonie Limburg-Weilburg, der Evangelische Verein für Innere Mission in Nassau (EVIM) Bildung sowie die Bürgerinitiative (BI) Sozialpsychiatrie e.V. – umgesetzt. Ziel ist es, die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen zu stärken, indem die Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Eingliederungshilfe weiterentwickelt und verbessert werden.
Im Projekt werden unsere Mitgliedseinrichtungen fachlich und wissenschaftlich in dem Entwicklungsprozess begleitet und unterstützt. Ein Begriffsverständnis sowie Ziele und Maßnahmen sind gemeinsam zu entwickeln und in die Praxis zu überführen, um die Partizipation (Mitbestimmung) von Menschen mit Behinderungen als Expert*innen in eigener Sache zu stärken. Festgehalten sind diese Ergebnisse in Aktionsplänen, die ein individuelles Ergebnis der Projektbeteiligten sind. In einem übergeordneten Prozessteam werden die Aktivitäten der Beteiligten evaluiert und an gemeinsamen Maßnahmen wie Schulungen und Fachtagen gearbeitet. Die wissenschaftliche Begleitforschung hat es zum Ziel zu erforschen, inwiefern Beteiligungsstrukturen in den Organisationen im Verlauf des Projekts (weiter-)entwickelt wurden und inwieweit sich die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Nutzer*innen verbessert haben.
Im Zentrum des Projekts stehen die von Teilhabebarrieren betroffener Menschen als Expert*innen in eigener Sache und Nutzende von Teilhabeleistungen der Eingliederungshilfe. Sie sind am Entwicklungsprozess der Mitgliedseinrichtungen maßgeblich beteiligt, beispielsweise indem sie ihr Fachwissen im Prozessteam einbringen. Zudem stellen die Mitgliedseinrichtungen sicher, dass die Expert*innen in eigener Sache im Rahmen ihrer Möglichkeiten im gesamten Prozess partizipieren können. Leitungen, Mitarbeiter*innen und Expert*innen in eigener Sache sind so gleichermaßen am Projekt beteiligt.
Rechtliche Einordnung
Menschen mit Behinderungen sind Expert*innen für ihr eigenes Leben. Sie haben das Recht auf Partizipation und Teilhabe. In der UN – Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ist bestimmt, dass Menschen mit Behinderungen bei allen betreffenden Entscheidungsprozessen in einer Organisation beteiligt sowie aktiv mit einbezogen werden (Art. 4 Abs. 3 UN-BRK). Des Weiteren gilt die Verpflichtung, Maßnahmen zu ergreifen, welche das Bewusstsein für ihre Fähigkeiten und ihren Beitrag fördern (Art. 8 Abs. 1 Satz 3 UN-BRK).
Die UN – BRK wurde im Jahr 2009 von den Vereinten Nationen ratifiziert und findet durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) seine rechtliche verpflichtende Anwendung in Deutschland.
Zur Umsetzung der Rechte und Pflichten stehen die Mitglieder der Diakonie Hessen als Leistungserbringer von Eingliederungshilfeleistungen in der Verantwortung eine volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe zu fördern und Menschen mit Behinderungen in ihrer Selbstbestimmung zu befähigen (SGB IX §1). Die Umsetzung ist ein Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe, da sich das Leistungsangebot von einer Einrichtungs- und Angebotszentrierung zu einer personenzentrierten Leistungsstruktur umstellt. In diesem Veränderungsprozess steht der Mensch mit Behinderungen mit seinen individuellen Bedarfen im Mittelpunkt der Leistungen. Eine personenzentrierte Leistungserbringung, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Leistungsberechtigten orientiert, ist ohne deren konsequente Beteiligung nicht möglich.
Der seit dem 1. Juli 2023 geltende Landesrahmenvertrag für soziale Teilhabe ist die landesrechtliche Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes in Hessen (Zum Rahmenvertrag 3). Hier ist Partizipation ein verbindliches „übergreifendes Ziel der Leistungen“ zur Planung und Bereitstellung von Hilfen aus dem Sozialgesetzbuch 9 (SGB IX).
Bisherige Ergebnisse und Entwicklungen
Das Projekt hat bereits zu nachhaltigen Veränderungen in den Organisationen der Eingliederungshilfe geführt. Die Ergebnisse zeigen unter anderem eine Verstärkung der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen und den Abbau diskriminierender Strukturen durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Diese Entwicklung markiert einen Übergang von der bisweilen bestimmenden Rolle der Nutzer*innen als passive Unterstützungsleistungsempfänger*innen hin zur neuen Rolle als Stakeholder in Organisationen. Und sie soll die Abkehr von der Einrichtungs- und Angebotszentrierung hin zu personenzentrierten Leistungsstrukturen und einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Nutzer*innen, Mitarbeitenden und Leitungen initiieren. Organisationen profitieren durch diese Entwicklungen auch im Personaleinsatz; die Ressourcen der Mitarbeitenden können individueller und flexibler genutzt werden. Die Kompetenzen der Menschen mit Behinderungen werden erweitert, ihnen wird mehr zugetraut und sie übernehmen eigenständig mehr Verantwortung, beispielsweise innerhalb von Gruppenleistungen.
Das Projekt wird von einer Reihe an Veranstaltungen begleitet. Die Ergebnisse werden dokumentiert und in verschiedenen Medien veröffentlicht (Fachpublikationen, Instagram, Magazin). Zusätzlich werden in den teilnehmeden Organisationen mit den Expert*innen in eigener Sache Aktionspläne entwickelt. Er regelt, wie die Klient*innen und die Vertreter*innen der Organisation zusammenleben wollen.
Veranstaltungen
- Fachtag 2025 - geplant am 24. September 2025: Zum Save-the-Date
- Fachtag 2024 - Rückblick: Zur Präsentation des Projekts / Zu den Kleingruppenergebnissen
- Fachtag 2021 - Rückblick: Zur ausführlichen Dokumentation
Aktionspläne
- Regionale Diakonie Limburg-Weilburg: Aktionsplan zum Download
- Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie Marburg: wird demnächst veröffentlicht
- Evangelische Verein für Innere Mission in Nassau (EVIM) Bildung: wird demnächst veröffentlicht
Veröffentlichungen
Bartels, Jessica (2021): Gewinnbringende Partizipation. Projekt der Diakonie Hessen zu nachhaltigen Perspektiven für Organisationen der Eingliederungshilfe mit einer personenzentrierten Leistungsstruktur. BeB Informationen 74. Nr.2. Seiten 13 -15.
Diakonie Hessen: "Ich bin so einer, der gerne mitmacht". In der tat - konkret, Diakonie Hessen, 2024, S. 25 ff.: Zum Magazin
Römhild, A. (2024). „[…] schon so ein bisschen Abgabe von Macht“ - Partizipation in den Organisationen der Eingliederungshilfe. // Lebensbereich Familie als Thema der Teilhabeforschung. Teilhabe, 63(1), 31–35.
Senger, Jana (I.E.): Teilhabe(un)gerechtigkeit in Organisationen der Eingliederungshilfe. In: Schröder, C.; Alt, L.; Engel, N. (Hrsg.). Organisation und (Un-)Gerechtigkeit: Jahrbuch der Sektion Organisationspädagogik. Springer VS
Social Media-Beiträge: Zum Instagram-Kanal der Diakonie Hessen
Kontakt

Jessica Bartels
Referentin für Soziale Teilhabe Projektkoordinatorin
jessica.bartels@diakonie-hessen.de 0561 10953116